Solarthermie vs. Photovoltaik: Was lohnt sich mehr für Ihr Dach?

Die Funktionsweisen im Überblick
Der wesentliche Unterschied liegt im Endprodukt der Energieumwandlung. Solarthermie erzeugt nutzbare Wärme, die über Rohrleitungen in einen Warmwasserspeicher geleitet wird. Photovoltaik erzeugt universell einsetzbaren Strom. Dieser Strom kann im Haushalt verbraucht, in ein E-Auto geladen, im Batteriespeicher gepuffert oder über einen Heizstab ebenfalls zur Warmwasserbereitung genutzt werden.
Vorteile und Nachteile der beiden Systeme
- ✓Solarthermie: Extrem hoher Wirkungsgrad (bis zu 60-70 % der Sonnenenergie werden in Wärme umgewandelt). Benötigt daher nur sehr wenig Dachfläche (ca. 4-8 qm für ein EFH). Nachteil: Die erzeugte Wärme kann nicht transportiert oder ins Stromnetz eingespeist werden – im Sommer entsteht oft ungenutzter Wärmeüberschuss.
- ✓Photovoltaik: Geringerer Wirkungsgrad der Module (ca. 20-22 %). Großer Vorteil: Strom ist die edelste Energieform. Überschuss wird einkömmlich ins Stromnetz eingespeist oder im Hausakku gespeichert. PV ist flexibel einsetzbar.
Direkter Systemvergleich (Einfamilienhaus)
| Kriterium | Solarthermie (zur Warmwasserbereitung & Heizung) | Photovoltaik (10 kWp Dachanlage) |
|---|---|---|
| Typischer Platzbedarf | 4 - 10 qm | 40 - 60 qm |
| Investitionskosten | ca. 5.000 - 10.000 EUR | ca. 12.000 - 18.000 EUR |
| Staatliche Förderung | Bis zu 30-70% im Rahmen des Heizungstauschs | 0% MwSt, EEG-Vergütung, KfW-Kredit 270 |
| Wartungsaufwand | Mittel (Frostschutzmittel tauschen, Pumpenprüfung) | Sehr gering (keine beweglichen Teile) |
| Flexibilität | Nur Wärme (Brauchwasser & Heizung) | Strom, Wärme (über Heizstab), E-Auto, Einspeisung |
Der Gewinner: Photovoltaik in Kombination mit Wärmepumpe
Durch den Siegeszug der Wärmepumpe hat die Solarthermie an Bedeutung verloren. Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde PV-Strom mithilfe von Umweltwärme ca. 3 bis 4 Kilowattstunden nutzbare Wärme. Dadurch ist die Kombination aus PV-Anlage und Wärmepumpe energetisch und wirtschaftlich effizienter als eine separate Solarthermie-Anlage auf derselben Dachfläche.
Die Hybrid-Lösung: PVT-Kollektoren
Für Dächer mit extrem begrenztem Platzangebot gibt es eine innovative Lösung: PVT-Kollektoren (Photovoltaik-Thermie). Diese Hybrid-Module erzeugen auf der Vorderseite Strom und nutzen die Rückseite als thermischen Kollektor. Das kühlt gleichzeitig die Solarzellen (was deren Wirkungsgrad im Sommer steigert) und liefert Niedertemperaturwärme, die beispielsweise als Wärmequelle für eine Sole-Wärmepumpe genutzt werden kann.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich mit Photovoltaik auch mein Brauchwasser heizen?▼
Ja, das ist über einen sogenannten Heizstab (Power-to-Heat) sehr einfach möglich. Der Wechselrichter leitet überschüssigen Solarstrom in einen elektrischen Heizstab im Warmwasserspeicher, sobald die Batterie voll ist. Dies schont die Primärheizung im Sommer.
Wann lohnt sich Solarthermie heute noch?▼
Solarthermie lohnt sich vor allem bei Gebäuden mit sehr hohem Warmwasserbedarf (z. B. Mehrpersonenhaushalte mit Pool) oder wenn das Dach sehr klein ist und die Statik keine schwere PV-Unterkonstruktion zulässt.
Muss die Solarthermie-Flüssigkeit regelmäßig getauscht werden?▼
Ja, das Wasser-Glykol-Gemisch (Frostschutz) in den Leitungen altert durch die extremen Temperaturen im Sommer. Es sollte alle 3 bis 5 Jahre im Rahmen einer Wartung überprüft und ggf. ausgetauscht werden.